Amanzoe, Griechenland

Amanzoe, Griechenland: Epicurean savoir vivre in an ancient landscape

TEXT: Jörn Pfannkuch / FOTOS: Aman Resorts

Pan erwachte und sah – Griechenland…

Die Hitze bringt die Luft über dem Asphalt zum Flimmern. Seit etwa einer Stunde führt die Fahrt vom charmanten Städtchen Nauplia durch die schier atemberaubende Landschaft der Peloponnes. Die Strasse schlängelt sich über die karstigen Hügel, von deren Kuppen jeweils der Blick auf das spiegelglatte Meer fällt, das in Farbtönen zwischen Türkis, Aquamarinblau, Lindgrün und dem Dunkelblau des wolkenlosen Himmels changiert, ein würziger Duft von Rosmarin, Thymian und Anis liegt über dem Land. Aus den glasklaren Fluten ragen die Berge der sagenumwobenen Inseln Hydra und Spetses auf und knapp ein Dutzend weiterer Eilande, deren Namen uns nicht auf die Zunge kommen mögen. Die Nikon im Tankrucksack scheint geheime Botschaften auszusenden, aber wir sind verabredet. Die Postkartenmotive müssen warten.

Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland

Der Motor der geländegängigen Maschine steckt die Hitze weg, nur die Stollen der Reifen sind mittlerweile weich geworden auf dem heissen Teer. Zeit für eine kurze Rast. Hinter den geschlossen Augenlidern erscheint ein Kalenderbild aus früher Jugend. In bukolischer Landschaft, unter einem Olivenbaum der in ein Ziegenfell gehüllte Hirtengott, in die Sonne blinzelnd und die Flöte an die Lippen setzend. Darunter die simplen Worte: Pan erwachte und sah – Griechenland.

Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland

Als eine halbe Stunde später, schon nahe der Bucht von Portoheli das GPS zum Abbiegen auffordert, erblicken wir auch die verfallene Ölmühle, welche uns als Orientierungspunkt dienen soll. Jetzt geht es erst mal herunter von der vermeintlichen Hauptstrasse, jetzt weicht der Asphalt gelegentlich rauher Schotterpiste, die Reifen greifen tief in den losen Untergrund und halten das Motorrad in der Spur. Ziegen beäugen uns neugierig, knorrige Olivenbäume spenden gelegentlich etwas Schatten. Noch einige enge Kurven und Spitzkehren dann schimmern wie eine Fatamorgana aus dem nachmittäglichen Dunst die schneeweissen Fassaden des Amanzo’e hervor, bei etwas Phantasie an den sagenhaften Palast von Knossos kurz nach dessen Freilegung erinnernd. Ein kolossales Tor, davor freundliches, aber konsequentes Wachpersonal; eine verstaubte Enduro ist in aller Regel nicht das übliche Verkehrsmittel, mit dem die Gäste sich irgendwo auf der Welt einem Aman Resort nähern. (Echte Griechenland-Kenner wissen indessen den besonderen Reiz solcher Art Fortbewegung gegenüber der vierrädrigen Konkurrenz zu schätzen.) Nach gewissenhafter Prüfung unserer Identität – Tribut an den Anspruch an Privatheit, den alle Gäste hier voraussetzen – rollen wir schliesslich langsam vor dem eigentlichen Eingang des Amanzo’e vor und bringen den Motor schnell zum Stillstand – in der magischen Atmosphäre scheint jedes moderne Geräusch unangebracht – und so übernehmen die Zikaden denn auch sofort wieder die Konzertleitung…

Amanzoe, Pool Villa

Henry, General Manager im Amanzo’e erwartet uns bereits am Eingang, aber bevor er seine Gäste, die sich noch die Helme vom Kopf streifen, begrüssen kann, macht erst einmal die wichtigste »Persönlichkeit« des Resorts auf sich aufmerksam: »the dog needs to be carressed«. Wir haben sofort Verständnis, mit sanftem aber forderndem Blick lässt sich der »dog« auf die Seite fallen und fordert unmissverständlich seine Streicheleinheiten ein. Schliesslich hat er die gesamte Bauphase begleitet, war das Maskottchen der Bauarbeiter, wurde hochgepäppelt und schliesslich nach Abzug der Bautrupps von Henry adoptiert.

Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland / Interior

Anna, die Guest Relation Managerin, übernimmt derweil die Honneurs. Ihr Gewand, welches jenem vestalischer Jungfrauen nicht unähnlich ist, passt zu ihrer Erscheinung, die dem bis heute gültigen Schönheitsideal der griechischen Antike entsprechen dürfte.

Die Reduktion, die Aman-Gründer Adrian Zecha und sein kongeniales Team der Gestaltung der Resorts voranschicken sowie die Verschmelzung mit der sie umgebenden Landschaft und Kultur bestimmt auch in Hellas den ersten Eindruck. Verzichten wir auf viele Worte zu Design und Layout der Anlage und lassen die Bilder sprechen…

Lehnen wir uns stattdessen zurück, geniessen den Ausblick über die  mythische Landschaft mit ihren weitläufigen, mit tausenden Olivenbäumen bepflanzten Hügel und nehmen auf der altarähnlichen, von Wasser umgebenen Plattform eine eiskalte, hausgemachte Limonade, während Maria, deren Ausbildung in London jetzt deutlich zum Vorschein kommt, uns die extraordinären Annehmlichkeiten des Amanzo’e erklären möchte, haben wir ja eigentlich alles längst verstanden. Atmosphäre und Ausstrahlung dieses einzigartigen Ortes, an dem nicht Hedonismus die Philosophie widerspiegelt, sondern absolute Individualität mit epikuräischer Lebenskunst einhergeht, sind uns längst unter die Haut gefahren. Vor dem geistigen Auge ziehen noch einmal die grandiose Aussicht des Yoga Raumes, der private Beach Club und die Marina mit der Pershing und der Wally Yacht vorbei, hin zum mystisch anmutenden Spa, wo sich unsere Körper langsam auf eine entspannte Nacht in der privaten Villa mit eigenem Pool vorbereiten lassen.

Hier muss es sein, das von zahllosen Dichtern besungene Arkadien…

Amanzoe, Griechenland
Amanzoe, Griechenland

https://www.aman.com/resorts/amanzoe

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