Le Royal Mansour / Photo: Alan Keohane/still-images.net

Sehnsuchtsort Marrakech: Eine Reise in den puren Hedonismus

Mit spektakulären Resorts lädt »The Leading Hotels  of the World« an den Sehnsuchtsort Marrakesch.

Text: Jürgen Pfannkuch

La Mamounia, Terrasse
La Mamounia, Terrasse
La Mamounia
La Mamounia

Zur Begrüssung wird köstliche Mandelmilch gereicht. Der individuelle Check-in erfolgt in einer Nische der von Skulpturen flankierten Halle. Die dunkle Jaguar-Limousine hat zuvor die einem Stadttor nicht unähnliche Einfahrt passiert, bevor sie vor den Säulen des Haupteingangs zu einem der berühmtesten Luxushotels der Welt zum Stehen kommt. Männer in traditionellem Gewand entrichten dem Gast ihren Willkommensgruss. Ankunft im La Mamounia, seit 1923 Synonym für marokkanische Gastfreundschaft in herrschaftlichem Luxus, den nicht nur König Hassan II zu schätzen wusste. Aber das Königshaus ist ja auch Mitbesitzer des sich über eine Fläche von sieben Hektar Park erstreckenden Hotels am Rande der Medina von Marrakesch, einer der vier Königsstädte Marokkos.

Heute hätte Sir Winston unter acht Golfplätzen wählen können

La Mamounia, Pool
La Mamounia, Pool
La Mamounia, Pool
La Mamounia, Pool

Während der von dem berühmten und mutigen Architekten Jacques Garcia geleiteten umfassenden Renovierungen von 2006 wurden manche Designer-Sünden, welche sich im Lauf der vergangenen Jahre eingeschlichen hatten, entschlossen beseitigt, sie mussten der Rückbesinnung auf zeitlose Eleganz und die Errungenschaften marokkanischer Handwerkskunst weichen. Die exquisite Gestaltung der öffentlichen Räume ebenso wie die der Zimmer und Suiten wird den Ansprüchen eines gehobenen Tourismus gerecht und gereicht dem königlichen Marrakesch wieder zur Ehre.

Von den beiden Balkonen der extravagant und komfortabel eingerichteten Suite schweift der Blick über Teile des schon 300 Jahre alten Gartens mit seinen himmelstrebenden Palmen über die Medina und an klaren Tagen bis ins Atlas Gebirge, dessen über 4’000 Meter hohe Gipfel oft noch bis in den späten Frühling schneebedeckt sind. Sir Winston Churchill, der britische Kriegs-Premier, für den eine Suite stets reserviert war, hat diesen Anblick während seiner zahlreichen Besuche in Marrakesch in seinen Bildern festgehalten. Nicht nur als Maler zog es ihn immer wieder in die »rote Stadt« und ins La Mamounia, hier hatte er sich auch schon 1943 mit Theodor Roosevelt getroffen, ausserdem liebte er es, sich zwischen Atlas und Wüste dem Golfspiel hinzugeben. Heute könnte Sir Winston im Umkreis von 12 Kilometern unter acht Greens wählen.

La Mamounia / Majorelle Suite
La Mamounia / Majorelle Suite

Rund 700 Angestellte widmen sich dem Wohl der internationalen Gäste in den rund 200 Zimmern und Suiten, allein eine Armee von bis zu 60 Gärt­nern beschäftigt die heimische und exotische Flora in den Gärten des La Mamounia. Ob beim High Tea auf der Gartenterrasse, oder bereits beim Frühstück »poolside«, der freundliche Service beweist rund um die Uhr seine Exzellenz und nicht nur in den drei Spitzenrestaurants, die in Anlehnung an die Herkunftsländer der jeweiligen Menüs, eingerichtet sind, mediterran italienisch, französische Haute Cuisine und natürlich marokkanisch mit den betörenden Aromen maghrebinischer Gewürzwelten. Im Gartenpavillon Le Menzeh verführen feine Kreationen der Pâtisserie. Die Körper und Seele entspannenden Treatments eines auf 2’500 Quadratmetern sich ausdehnenden Spa werden auch von der bessergestellten Gesellschaft von Marrakesch geschätzt.

Gaukler und Märchenerzähler auf der Djemaa el Fna

Von der Djemaa el Fna (frei übersetzt: Ort der Gehenkten), dem wohl bekanntesten Platz Nordafrikas und vom La Mamounia aus in gut 10 Minuten zu Fuss zu erreichen, hat sich das Leben erst einmal zurückgezogen. Am frühen Nachmittag zeigen sich die Souks träge und lustlos, die Ladenbesitzer halten ihren Mittagsschlaf, um für den Abend wieder fit zu sein für die hohe Kunst der Akquisition und des Feil-schens. Draussen auf dem riesigen Platz schlafen auch die Schlangen, sammeln Kraft für den Stress, dem sie Abend für Abend von lärmenden Menschenmassen mit ihren Blitzlichtern ausgesetzt sind und von dem ewig gleichen Gedudel.

Das Durchstreifen der nun fast menschenleeren Souks endet im Nirgendwo. Da helfen auch die in viel zu grosser Höhe angebrachten Richtungsschilder zur »Grand Place« nicht viel, zumal sich diese oft zu widersprechen scheinen, führen sie doch bisweilen vom selben Ausgangspunkt an einer Kreuzung winziger Gassen in entgegengesetzte Richtungen. Fragt man jene, die dort wohnen oder zumindest dort Handel treiben, ist die Wahrscheinlichkeit gross, in eine dritte Direktion gewiesen zu werden, vor allem dann, wenn sich in dieser Richtung das eigene Geschäft oder das eines Verwandten befindet.

Djemaa el Fna
Djemaa el Fna

Am Abend, wenn das Leben in der Medina so richtig erwacht ist, lässt man sich am besten vom Mahlstrom der Besucher treiben, bis man irgendwo ankommt, von wo aus das mächtige Minarett der im zwölften Jahrhundert von den Almohaden erbauten Koutoubia Moschee sichtbar wird und einem den Weg weist. Der Souk gleicht einem Labyrinth aus Gassen und Gässchen, wo nach Einbruch der Dunkelheit von überall her und aus allen Himmelsrichtungen die Menschen herbeiströmen und es scheint, als ergiesse sich die gesamte Bevölkerung Marrakeschs nun auf die Djemaa el Fna, vorbei an den Orangenpressern, zahllosen Leder- und sonstigen Souvenirbuden, an Ständen mit duftenden Essenzen, Läden voller betäubender Gewürze und immer wieder Lederutensilien (schliesslich ist Marrakesch auch die Stadt der Gerber). Verkäufer in ihren Läden und Lädchen – manche kaum grösser als ein »hole in the wall«, überbieten sich laut und gestenreich bei ihrem Bemühen, die Aufmerksamkeit der vorbeiziehenden Karawane auf sich und ihre Ware zu lenken. Weisse Dampfwolken schweben über der nächtlichen Djemaa el Fna, hervorgerufen von den zahllosen Garküchen, wo mit klebrigen Speisenkarten wedelnde, lukullische Wunder verheissende Kellner und Animateure die Plätze auf den dicht bei dicht stehenden Bänken, Stühlen und an den Tischen zuweisen; eine Duftwolke aus einheimischen Spezereien vermischt sich mit jener der Essenzen von den Nachbarständen. Berge von Schaf-Hackfleisch verwandeln sich brutzelnd in Töpfen und Pfannen in verlockende Gerichte. Die Begeisterung für Innereien, Tierschädel und aus­gelöste Hammelaugen bleibt eher den Einheimischen vorbehalten.

Djemaa el Fna
Djemaa el Fna

Es sind keineswegs nur Kinder, die mit offenem Mund und grossen Augen den Geschichten der bärtigen alten Männer lauschen. Diese verstehen es durchaus, auch die Erwachsenen routiniert in ihren Bann zu ziehen. Von im nächtlichen Zwielicht oder unter blakenden Glühbirnen agierenden Gauklern und Hütchenspielern, den hypnotischen Gebärden der Märchenerzähler und Schlangenbeschwörer in eine Nebenwelt entrückt und umhüllt von allen Wohlgerüchen des Orients schlafwandle ich in Richtung der langen Reihe grüner, silberbeschlagener Pferdekutschen, die nachts in der Altstadt die Taxis ersetzen und von denen mich nun eine durch die frische Nachtluft zurück zum La Mamounia bringt, während ich, noch immer ein wenig weltenfremd, dem Stakkato des Hufgeklappers auf dem Asphalt lausche.

La Mamounia, Patio
La Mamounia, Patio

Vor dem Nightcap die Qual der Wahl: auf der Gartenterrasse oder bei coolem Jazz einer Life-Band in der Churchill Bar? Ich entscheide mich für eine lauschige Sitzecke auf der Terrasse, wo ein exzellenter Drink von einem noch exzellenteren Kellner im goldverzierten weissen und offenbar massgeschneiderten Mamounia-Dress gereicht wird, während vor dem geistigen Auge Szenen aus Hitchcocks »The Man who knew too much« ablaufen. 1956 hatte der Grossmeister des Thrillers seinen Protagonisten James Stewart und Doris Day das La Mamounia als Drehort beschert.

La Mamounia
La Mamounia

Seit Beginn der Neunziger Jahre, als der Jet Set Marrakesch eroberte um sich sein Pied-à-terre zu sichern, sollen über 20’000 traditionelle Riads, jene allerdings auch oft genug bereits vom Verfall bedrohten Stadthäuser von Europäern erworben und restauriert in kleine private Paläste verwandelt oder zu Hotels und Residenzen umgewidmet worden sein. Die einen sprechen vom Ausverkauf der Kultur, andere verweisen auf den scheinbar unaufhaltsamen Verfall der Altstadt, für deren Erhalt und Restauration kein Geld vorhanden war. Yves St. Laurent gilt noch immer als Wegbereiter dieses Trends, jedoch ist sein Domizil Le Majorelle mit dem berühmten Garten nur noch eines von vielen. Inzwischen werden die neu erworbenen Immobilien immer aufwändiger veredelt und wechseln von Zeit zu Zeit ihre Besitzer, vornehmlich aus Frankreich, England, Deutschland und der Schweiz – zu astronomischen Preisen.

Aber auch wenn sich auf den ersten Blick die Altstadt in den letzten 30 Jahren gar nicht so augenfällig verändert hat – zu den Eigenschaften eines Riads gehört es auch, die innere Pracht durch eine unauffällige Fassade zu verbergen – der europäischen Bohème, oder den Beatniks, die im Marrakesch der Sechziger Jahre ihren Existenzialismus oder was sie dafür hielten, zu leben versuchte, wäre die »Rote Stadt« mittlerweile ebenso fremd wie den Hippies jener Tage, da der Slogan galt: Haschisch für alle. Manchen war das nicht genug. Dem rebellischen William Burroughs wären in den 50ern Tanger und Marrakesch fast zum Verhängnis geworden. Aus der Distanz des Besuchers und mit grosser Sympathie schreibt Elias Canetti 1968 sein Buch »Die Stimmen von Marrakesch«.

Schmale Gassen in der Altstadt von Essaouira
Schmale Gassen in der Altstadt von Essaouira

Essaouira – Stadt des Windes

Über einen tadellosen Highway gelangt man in zwei Stunden ans Meer. Die Fahrt geht durch eine karge Landschaft, nur wenige Orte liegen an der Strecke und einige tausend endemischer Arganbäume, aus deren Nüssen in kleinen Manufakturen das kostbare Arganöl gewonnen wird. Ziegen sind bis in die Wipfel fast kahlgefressener Bäume geklettert, um auch noch das letzte Grün zu erhaschen. Zielort ist Essaouira, die Stadt des Windes an der Atlantikküste, Fluchtpunkt der Jugend aus Marrakesch, um an den Wochenenden des Hochsommers die dumpfe Hitze der Stadt gegen die frische Brise an den endlosen Stränden der Atlantikküste einzutauschen. Touristisch ist die Stadt ein Juwel: Schneeweiss erstrahlt die Medina schon von weitem, in den schmalen Gassen der Kasbah locken Händler in malerischen Nischen mit allem, was sich an marokkanischer Handwerkskunst vermarkten lässt. Cafés, rauchende Stände mit allem, was die Schatzkammer des Meeres aufzubieten hat, und alles geht in heiterer Gelassenheit vonstatten. Vom Sehnsuchtsort der Hippies in den Sechzigern ist nicht mehr viel zu spüren, doch noch immer wird an Legenden gestrickt, in denen Jimmy Hendrix immer die Hauptrolle spielt.

Essaouira – Stadt des Windes
Essaouira – Stadt des Windes
Essaouira
Essaouira
Essaouira, Fischmarkt
Essaouira, Fischmarkt

In den kühlen Morgenstunden empfielt sich auch ein Ausflug ins nahe Atlasgebirge, von Marrakesch aus nur eine knappe Stunde entfernt. Es muss nicht gleich dessen höchster Gipfel, der Jebel Toubkal sein, der auf einer Höhe von 4’167 Metern im ewigen Eis verharrt. Zu den eindrücklich­sten Berberdörfern gehört ohne Zweifel Benhaddou mit seiner pittoresken Lehmarchitektur. Türme und Häuser sind stark vom Zerfall bedroht. Handwerker und Restaurateure reparieren im Wettlauf mit der Zeit. Orson Welles hat hier in den 50er Jahren »Sodom und Gomorrha« gedreht.

BENHADDOU: faszinierende Lehmarchitektur der Berber
BENHADDOU: faszinierende Lehmarchitektur der Berber

Ja, ja – von Sodom und Gomorrha wird mancher brave Bürger Marrakeschs hinter vorgehaltener Hand während der Zeit des französischen Protektorats von 1912 bis 1956 geflüstert haben. Ein Grosswesir soll es zu märchenhaftem Reichtum gebracht haben, den er einigen hohen Beamten der französischen Verwaltung verdankte, drückten diese doch bei seinen zweifelhaften Geschäften beide Augen zu, wofür er sie im Gegenzug immer wieder mit jungen Mädchen und auch Knaben aus den nahen Berberdörfern versorgte. Noch lange danach hatte Marrakesch mit dem sündigen Image zu kämpfen. Mittlerweile ermöglichen strenge Gesetze auch schon mal die öffentliche Verhaftung eines (einfluss-)reichen Nabobs vom Golf.

Palais Namaskar
Palais Namaskar

Palais Namaskar – inmitten eines Märchens  aus Scheherazade

Auf dem erneuten Weg in die noble Palmeraie wechseln sich Asphaltstrasse und Schotterpiste ab. Nach einer halben Stunde erreicht der eben noch auf Hochglanz polierte Range Rover des Hotels nun mächtig eingestaubt die weitläufige Anlage des Palais Namaskar, die äusserlich und in ihrer Abgeschiedenheit auf den ersten Blick fast an eine Karawanserei in der Wüste erinnert, wären da nicht die üppig blühenden Bougainvilleas, welche die Einfahrt säumen. Bis zur Rezeption im Stil eines privaten Salons ist noch alles ganz unspektakulär. Dann aber steht man staunend inmitten eines Märchens aus der Scheherazade, oder ist es der Palast eines indischen Moguls, oder doch eher eines maurischen Prinzen im Andalusien des 15. Jahrhunderts? Leuchtend grüne Bambus- und Papyrusbüsche auf kleinen Inseln inmitten oder am Rand unzähliger Wasserbecken leiten über zu ornamental verspielten Bogenkonstruktionen in strahlendem Weiss. Manchmal bilden sie die Gebäudefassade, manchmal verlieren sie sich im Unendlichen, manchmal umrahmen sie auch nur die Terrassen der unterschiedlich grossen Wohneinheiten von den Terrassen-Villen bis zum Palace-Typ mit beheiztem Pool und offenem Kamin, mit grosszügiger Küche und – natürlich Koch- und Butler Service. Nach Feng Shui Empfehlungen wurden die Räume ausgerichtet, eingerichtet sind sie cool und »state of the art«. Steingraue Vorhänge unterstreichen die kühle Eleganz. Braune Bean Bag Chairs laden zum Räkeln vor den üppig dimensionierten Flatscreens. Eine voluminöse Bang & Olufsen Anlage vermittelt Konzert-Feeling. Augenfällig die Palisander-Platte des Sekretärs, die Minibar aus Spiegelmosaik und Chrom. Riesenbäder beanspruchen die komplette Länge der Aussenwand der Suite, eine Doppelduschkabine, deren Ausmasse für eine ganze Familie reichen würde. Schwere bronzebeschlagene Türen zollen der marokkanischen Handwerkskunst Tribut und bilden einen starken Kontrast zur modernen Leichtigkeit des Interieurs.

Palais Namaskar, Tea Lounge
Palais Namaskar, Tea Lounge

Schmale Fusswege führen an einem Rasenstück des Golfplatzes vorbei über Steinplatten mitten durch endlose Wasserspeicher, entlang den filigranen Arkaden zum riesigen Spa-Bereich. Hinter den Mauern eines weiteren Prachtbaus, von einer goldenen, im Sonnenlicht glitzernden Kuppel gekrönt, könnte man eine Moschee vermuten. Das gewaltige Tor jedoch bietet Einlass zu einem Gourmet Restaurant, an dessen Outdoor-Bereich entlang sich ein grosser Swimmingpool bis zur No Mad Bar erstreckt.

Palais Namsakar / Deluxe Room mit Terrasse
Palais Namsakar / Deluxe Room mit Terrasse
Palais Namsakar / Pool Villa
Palais Namsakar / Pool Villa
Palais Namaskar, Mountain Palace Terrasse
Palais Namaskar, Mountain Palace Terrasse

Auch für so erfolgsgewohnte Architekten und Designer wie Nicolas -Papamiltiades und Fabrice Bourg muss es für einen Moment wie in einem orientalischen Märchen gewesen sein, als die Wünsche eines leibhaftigen Königs an sie herangetragen wurden. Im Herzen von Marrakesch schufen sie auf dreieinhalb Hektar eine meditative Oase der Ruhe und Transzendenz, in unverfälschter marokkanischer Tradition und in wahrhaft königlicher Noblesse.  

«Ich bin Epikureer auf die subtilste Weise«, lässt Robert Musil in seinem »Mann ohne Eigenschaften« einen seiner Protagonisten gestehen. Für einen echten Epikureer ist kaum ein Ort besser geeignet, seine Bedürfnisse auszuleben als Marrakesch; auf die subtilsten Jünger dieser Philosophie wartet innerhalb der 12 Kilometer langen Stadtmauer das Royal Mansour, wo sie Horizonte überwinden können. Ehrfurcht gebietend und eines königlichen Palastes würdig – das gigantische Tor, welches die 53 originalgetreuen Riads gegen die Aussenwelt abschirmt. Die Pförtner wirken winzig.

LE ROYAL MANSOUR – der Schlüssel zu epikureischen Weihen

Dahinter Stille, summende Käfer in den Blüten, leises Murmeln der sich durch die ganze Anlage ziehenden Wasserläufe, schattenspendende schmale Gassen zwischen den Riads in landestypischer Ockerfarbe. Man kann sich in der 3,5 Hektar umfassenden Medina des Royal Mansour schnell verlaufen. Äusserlich sehen die meist hinter Palmen verborgenen Riads mit ihren massiven, grünen Eingangstüren und dem geschnitzten Erker alle gleich aus. Innen unterscheiden sie sich vor allem nach der Anzahl der Wohn- und Schlafräume, die sich über drei Etagen verteilen. Diskrete Fassaden nach aussen, wie üblich bei Herrenhäusern des Maghreb, innen luxuriös und behaglich. Das reicht als Beschreibung nicht aus, aber allein die Aufzählung der verwendeten Materialien von der Seidentapete im Living Room bis zu den Hölzern der stilechten Möbel würden den Rahmen sprengen; gar nicht zu reden von den überwältigend schönen Mosaiken in perfekter Zellij-Technik, die nicht nur den Patio im Erdgeschoss, von wo der Blick nach oben bis zum offenen Himmel reicht, schmücken. Unter den 1’000 Künstlern und Handwerkern, die für die Realisierung der königlichen Pläne aus allen Landesteilen zusammengesucht wurden, befanden sich die besten unter den selten gewordenen Meistern der Tadelakt-Technik, deren Friese und Bordüren an Decken und Wänden sich durch alle Räume ziehen.

Le Royal Mansour
Le Royal Mansour

 In dieser Weltgegend spielt sich das familiäre Leben zumindest in den warmen Monaten häufig auf den Dächern der Häuser ab. Dem tragen auch die Riads im Royal Mansour Rechnung. Unter einer Markise als Sonnenschutz verbirgt sich eine bequeme Lounge auf dem Dach, mit offenem Kamin für die kühlen Monate und einem Plunge Pool für heisse Sommertage, an denen der Weg zum Swimmingpool im Garten zu lang wird. Durch halbhohe Mauern ist der Sichtschutz weitgehend gewahrt, aber hierzulande gilt es ohnehin als ungezogen, sich für das Geschehen auf Nachbardächern zu interessieren. 

Le Royal Mansour
Le Royal Mansour

Im Patio auf der unteren Ebene, von feinsten blau-goldenen Kachelmosaiken umgeben, lässt sich der Afternoon Tea oder die köstliche marokkanische Variante mit Bündeln frischer Minze geniessen, umgeben von dem entspannenden leisen Geräusch fliessenden Wassers. Der beste Service verhält sich unsichtbar – das kann man im Royal Mansour fast wörtlich nehmen: In jeder Etage befindet sich im kleinen Office eine Tür, die hinter die Kulissen führt und Butler und Housekeeping vorbehalten ist. Die dienstbaren Geister können sich den Riads durch verborgene Gänge nähern und erscheinen in den privaten Räumen der Gäste nur auf ausdrücklichen Ruf per Klingelknopf oder Telefon. Ein in vielen Luxushotels der Welt nur selten berücksichtigter Anspruch der Gäste auf uneingeschränkte »Privacy«. Befindet sich der Gast in seinem Riad, sind sie »backstage stand by«. Die nach oben offene Halle ist Schmuckstück und Signature Icon des Mansour schlechthin. Wände und Säulen sind mit aus Millionen von Steinchen perfekt zu kunstvollen Ornamenten und Arabesken zusammengesetzten Mosaiken ausgekleidet, wie sie schöner, kunstvoller und reichhaltiger wohl höchstens in einem der königlichen Paläste zu finden sein könnten, aber wahrscheinlich nicht einmal dort. Wasserbassins in ausgeklügelter geometrischer Anordnung bilden auch das räumliche Herzstück der Halle, die rundherum von edlen Antiquitäten und kunsthandwerklichen Raritäten gesäumt ist. 

Le Royal Mansour
Le Royal Mansour
Le Royal Mansour
Le Royal Mansour

Jean Pierre Chaumard, Direktor des Royal Mansour, Gentleman der »alten Schule«, Grandseigneur und »Statthalter« seiner Majestät König Mohammeds VI im Royal Mansour, ist sich des besonderen Status’ seines Hauses bewusst. Klar, dass er sich nur Gäste wünscht, die bereit und in der Lage sind, sich der unvergleichlichen Atmosphäre und dem originären Luxus des Royal Mansour hemmungslos und mit jeder Faser zu ergeben, einem Lebensstil zu frönen, wie er vor noch nicht langer Zeit der Aristokratie vorbehalten war. Dafür stellt er nicht nur das adäquate Refugium zur Verfügung sondern zur Befriedigung leiblicher Genüsse auch drei Restaurants, die allesamt unter der Ägide eines mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Chefs stehen. Zur endgültigen Erlangung perfekter Harmonie von Körper und Seele hat er seinen Gästen ein Spa zu bieten, in dessen Foyer das sensible, einzigartig filigrane Raum Design bereits als Therapieansatz verstanden werden kann.

Le Royal Mansour, Spa
Le Royal Mansour, Spa

Es ist Abend geworden. Am Ende meiner Reise in den puren Hedonismus folge ich noch einmal den schmalen Wasserläufen, die mir den Weg zur Restaurant-Terrasse weisen, wo ich den Schlüssel zur Erlangung epikureischer Weihen in die Hände von Yannick Alléno gebe, der sich mit hausgemachter Foie Gras de Canard und einem »John Dory« à la minute dieser Aufgabe mit Grandezza entledigt.

Le Royal Mansour, Riad
Le Royal Mansour, Riad
Le Royal Mansour, Riad / Dining Room
Le Royal Mansour, Riad / Dining Room
Le Royal Mansour, Riad
Le Royal Mansour, Riad

Die langen Nächte jenseits der Medina

El-Badi-Palast, Saadier-Gräber oder Yves St. Laurents Jardin Majorelle stan­den nicht auf dem Programm dieser Reise, dafür sind die Tage zu kurz und die Nächte in Marrakesch zu lang. Da gilt es einiges abzuarbeiten. Naomi Campbell, Mick Jagger, Madonna oder Isabelle Adjani hatten schon mal ein Domizil in Marrakesch. Celebrities aus aller Herren Länder haben der Stadt ein pulsierendes, glitzerndes Nachtleben beschert, aber Einheimische geben zumindest ausserhalb der Hauptsaison den Ton an; der maskuline Part einer emanzipierten »Jeunesse dorée«, fährt auch schon mal im kanariengelben Lamborghini oder dezentgrauen Ferrari vor, eskortiert von miniberockten Models auf Designer-High Heels.

 Le Comptoir DARNA
Le Comptoir DARNA

Aber auch ihre Epigonen würden sich gerne im Dunstkreis internationaler Promis fotografieren lassen. Bill Clinton wurde gesehen, und Angelina Jolie mit Brad Pitt, und Richard Gere. Weltstars wie Elton John haben in Marrakesch die Nacht zum Tag gemacht, was für Besucher der angesagten Discos, wie Pascha oder Teatro nicht so schwer ist, öffnen die ihre Türen doch ohnehin erst um zwei Uhr morgens. Aber der Streifzug durch die Nacht beginnt fast immer mit einem Dinner in einem der angesagtesten Restaurants jenseits der Medina. Im La Trattoria haben sich schon Giorgio Armani und Tom Cruise verewigt. Absolutes »must« ist Le Comptoir Darna, ein pulsierender Ort in schummrigem Licht, auf zwei Etagen Restaurant und Bar zugleich, mit marokkanischen Musikanten auf den Treppenstufen am frühen Abend und exzellenten Bauchtanz-Darbietungen zu späterer Stunde.

www.mamounia.com

www.palaisnamaskar.com

www.royalmansour.com

www.lhw.com

 

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